westend

Vor allem die hohe wohnräumliche Konzentration von Migranten und Migrantinnen wurde seit Ende der 1960er Jahren immer wieder mit einer negativen Sichtbarkeit belegt. Während zunächst noch die sozialen „krassen Missstände“ (SZ 3.3.1970) in den zu hohen Preisen vermieteten Altbauwohnungen angeklagt wurden, produzierte der bald einsetzende Ghetto-Diskurs (1972) eine andere öffentliche Aufmerksamkeit. Jetzt waren es nicht mehr die Praktiken der Vermieter, sondern „der Zustrom der Gastarbeiter“, der plötzlich mit den als Ghettos stigmatisierten Stadtteilen ein Gesicht bekam. Über die Jahre wurden Haidhausen, Schwabing, das Westend, die Schwanthalerhöhe, die Altstadt, Marsfeld, die Isarvorstadt und das Lehel als „gefährdete Stadtteile“ (SZ 14.12.1974) qualifiziert und wurden hierdurch Zielscheibe stadtplanerischen, sozialpädagogischen und zivilgesellschaftlichen Engagements. Die Arbeit „westend urban_lab“ startet mit einer kritischen Lektüre des Münchner Ghetto-Diskurses und begibt sich selbst auf historisch-ethnographische Spurensuche ins Westend. Angesichts der ökonomischer Struktur mit einer hohen Dichte von Fabriken und Fabrikwohnheimen bis spät in die 70er Jahren und relativ billigen Wohnraum hat sich hier eine dichte migrantische Ökonomie und Lebenswelt herausgebildet. Viele migrantische Vereine und Zentren, wohlfahrtsstaatliche Einrichtungen wie auch Stadtteilläden und -zeitungen prägen bis heute die historisch gewachsene „migrantisch-proletarische“ Atmosphäre des Stadtteils, die heutzutage umgedeutet als migrantischer Chic das Viertel zu einem begehrten Zuzugsort macht.  „Westendstory“ zeichnet, ausgehend von zahlreichen Selbstzeugnissen, die Aneignungspraktiken und Selbstbehauptungsstrategien der migrantischen BewohnerInnen des Westends nach und zeigt seine wechselvolle Geschichte über Sanierungszyklen und Wohnraumkämpfe vom „Glasscherbenviertel“ zum trendigen Künstler- und Szene-Viertel.