Crossing Munich. Orte, Bilder und Debatten der Migration. Ausstellung vom 10. Juli bis 15. September 2009 in der Rathausgalerie München. Ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt des Kulturreferats der Landeshauptstadt München in Kooperation mit dem Institut für Ethnologie, dem Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie und dem Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Nach Offenbach, Frankfurt/Main und Stuttgart ist München die Stadt mit dem höchsten Anteil migrantischer Bevölkerungsgruppen in Deutschland. Menschen aus mehr als 180 Nationen leben hier. Ein Blick in die Adresskartei des Ausländerbeirats offenbart die Vielzahl migrantischer Initiativen und Vereine in München. Anders jedoch als in anderen Städten Deutschlands ist „Migration“ in München – zumindest was den innerstädtischen Bereich angeht – kaum sichtbar. Bei einer Erhebung unter mehr als 500 Studierenden der Europäischen Ethnologie, die nach den imaginierten Eigenschaften acht deutscher Städte befragt wurden, ergab sich für München folgendes Bild: 66,93 Prozent der Befragten fanden München „konservativ“, 30 Prozent „freundlich und bieder“ und nur knapp 17 Prozent vergaben das Attribut „multikulturell“ (Lindner/Moser 2006). Wie kommt es, dass „Migration“ und „München“ nicht miteinander gedacht werden und München, das sich von 1972 bis 2005 mit seinem offiziellen Slogan als „Weltstadt mit Herz“ präsentierte, ganz im Gegensatz zu anderen Großstädten nicht als durch Migration gestaltet wahrgenommen wird?
Der Themenbereich „Stadtbilder – Stadt(t)räume“ nimmt diese Ungleichzeitigkeit zwischen Außenbild und städtischer Lebensrealität zum Anlass, auf eine Spurensuche nach der Migration im Stadt(t)raum zu gehen. Dabei werden klassischen Stadt-Repräsentation Analysen gegenübergestellt, die nach den spezifischen Momenten der Sichtbarmachung und Unsichtbarmachung der Migration im Stadtraum und Stadtbildern fragen. Warum, so fragten sich die ForscherInnen, gelangt Migration beispielsweise im Ghettodiskurs zu einer überbordenden negativen Sichtbarkeit, während Mobilitätspraktiken osteuropäischer MigrantInnen aus dem Blickfeld auf einen Hinterhof im wahrsten Sinne des Wortes verbannt werden?
