Spedition Schulz

Von außen ist es ein Speditionsplatz wie es viele andere an Münchens Ausfallstraßen gibt. Autos, Autowracks und so allerlei andere Gegenstände lassen den Eindruck eines unübersichtlichen Durcheinanders entstehen. Doch die „Spedition Schulz“  ist Teil eines übergreifenden transnationalen ökonomischen Systems, welches München mit Afrika und Vorderasien verbindet. Von hier werden PKWs, LWKs und Kleinbusse und zahlreiche andere Gegenstände in den Autos auf Märkte und zu Familienangehörigen nach Afrika und Vorderasien verschickt. Die Arbeit „Spedition Schulz“ geht in akribischer Feldforschung den ökonomischen Transaktionen nach und macht die transnationalen familiären, sozialen und ökonomischen Pfade sichtbar, die von diesem Ort ausgehen. Denn mit den gehandelten Waren werden nicht nur kleine und größere persönliche Gewinne gemacht, vielmehr dient der Warenhandel der Beziehungspflege zu Familienangehörigen und Freunden in der Heimat, wie auch als ökonomische Überlebensressource für die Zurückgebliebenen.
Doch die Biografien und Familiengeschichten einzelner Autohändler lenken auch den Blick auf weitere transnationale soziale Infrastrukturen der afrikanischen Migration in München. So erzählen die Autos, die z.B. über Antwerpen afrikanische Häfen ansteuern, nicht nur eine post-koloniale Geschichte von historischen Handelsnetzwerken und ungleichen Tauschbeziehungen, sondern über die Mikroökonomie eines Speditionsplatzes auch die Geschichte afrikanischen Lebens in München.