Rap vom Rand. Representing 089 meine Stadt

Sie heißen „Der neue Süden“ , „TZA“ oder „Tilos“, haben migrantischen Hintergrund, den sie offensiv in den Vordergrund ihrer Texte stellen und wohnen in den Randbezirken Münchens, die angesichts ihres hohen Anteils migrantischer Bevölkerung als die „Ghettos“ Münchens und „soziale Brennpunkte“ immer wieder durch die Presse geistern. Sie inszenieren sich als Gangsterrapper und authentische Stimmen des „dreckigen Südens“, mit ihren Lyriks reimen sie gegen das Vorurteil an, „ ... dass München die Stadt der Müslirapper und Rucksackträger sei“. Doch im (weißen) Zentrum des Münchner HipHop-Geschäfts werden sie kaum wahrgenommen.
Die Arbeit „Der neue Süden“- HipHop und die Konstruktion des Präkeren” unternimmt eine musikalische Erkundungsreise in die peripheren Zonen der Stadt und trifft auf junge Migranten, die ihren Platz in der Gesellschaft und ihre Strategie des Reimen und Rappens sowohl bewusst in Szene setzen wie auch selbstkritisch reflektieren können. So vermag die Arbeit migrantischen HipHop als Aneignungs-, Kritik- und Aufstiegsstrategie herauszustellen.
Die Recherche trifft aber auch auf zahlreiche sozialpädagogische Jugendeinrichtungen, die migrantische Jugendliche im Rahmen von Gewalt-Präventions-Projekten zu HipHoppern mach(t)en. Insofern verfolgt die Arbeit noch eine weitere Analyseperspektive, in dem sie nach der „HipHoppisierung“ migrantischer Jugenkultur im Rahmen städtischer Politiken fragt. Dabei läßt sich die Geschichte der „Erfindung“ des HipHop als migrantischer, jugenkultureller Musikstil zurückverfolgen ins Berlin der 1990er Jahre, als die damalige Ausländerbeauftragte mit Preisen und Sozialpädagogen die deutsch-türkische HipHop-Formation „Cartel“ mit aus der Wiege hob. Die Entdeckung migrantischen HipHops seitens der städtischer Sozial- und Kulturpolitik ist dabei nicht nur als sozialpädagogisches Instrument zu sehen, sondern steht auch im Kontext der kommunalen Konstruktionsbemühungen zu einer postmodernen, kreativen Global City: Die Konstruktion des Ghettos als das exotische (domestizierte) Multikulti-Andere wird somit auch als kommunale Marketingstrategie vor dem Hintergrund der neuen globalisierten kulturpolitischen Landkarte lesbar, die Städte als Akteure stärker als bevor in den Wettbewerb gegeneinander schickt (siehe Saskia Sassen). Unter diesen Bedingungen wird Migration als kulturelle Ressource neu entdeckt und in spezifischer Weise in die Image-Produktion als kreative Global-City eingespeist.