Crossing Munich. Orte, Bilder und Debatten der Migration. Ausstellung vom 10. Juli bis 15. September 2009 in der Rathausgalerie München. Ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt des Kulturreferats der Landeshauptstadt München in Kooperation mit dem Institut für Ethnologie, dem Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie und dem Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Während München in der bundesdeutschen öffentlichen Wahrnehmung nicht als drittgrößte Einwanderungsstadt bekannt ist, nimmt sie im historischen Gedächtnis der Migranten und Migrantinnen, vor allem jener, die im Zusammenhang mit dem sogenannten „Gastarbeitersystem“ nach Deutschland kamen, einen besonderen Platz ein. Hier am Gleis 11 des Hauptbahnhofs hielt ein Großteil der Sonderzüge, mit denen die Bundesanstalt für Arbeit die über sie angeworbenen „Gastarbeiter“ transportieren ließ. Nach teils tagelangen Reisen in überfüllten Wagons war der Münchner Hauptbahnhof einer der zwei zentralen Ankunftsstationen der ArbeitsmigrantInnen. Um „Eindrücke des Sklavenhandels“ (Bundesanstalt für Arbeit) durch wartende Menschenmassen zu vermeiden, wurde alsbald der unter der Bahnhofshalle liegende Bunker aus dem 2. Weltkrieg zur Wartehalle ausgebaut. Dort erhielten die Reisenden eine erste warme Mahlzeit, während sie manchmal tagelang auf ihre Registrierung und Weiterleitung zu ihren Arbeitgebern warteten. Bereits wenige Jahre später hatten sich MigrantInnen auch das Erdgeschoss des Bahnhofs angeeignet, was bereits 1966 den Münchner Merkur und andere von der „Balkanisierung“ des Hauptbahnhofs schwadronieren ließ. Hier waren es Läden wie die „Internationale Presse“ und der zugängliche, wettergeschützte öffentliche Raum, die den Bahnhof zu einem zentralen Treffpunkt machten.
Ausgehend von dieser Zentralität des Hauptbahnhofs in der Ära der „Gastarbeit“ untersucht die Arbeit Munich Central Station den Bahnhof generell als zentralen urbanen Knotenpunkt diverser Mobilitäten von Einwanderern, Tagespendlern, Touristen, und Geschäftsleuten, aber auch als Arbeits- und Lebensort. Am Beispiel von ausgewählten Orten - Hotels, Straßen, Geschäften, Lokalen - erzählt die Arbeit aufbauend auf Archivmaterial, Raumbegehungen und Interviews nicht nur, wie sich die verschiedene Mobilitätspraktiken in Architekturen einschreiben, sich den Raum aneignen und ihn mit Geschichte(n) belegen. Sie analysiert auch, wie diese Mobilitätsströme ganz unterschiedlich von den verschiedenen Bahnhofsumstrukturierungen betroffen sind, wie für unterschiedliche Geldbeutel, Geschmäcker und Bedürfnisse neue Transiträume und Aufenthaltswelten geschaffen werden, während für Andere der Bahnhof zum bedrohlichen Grenzraum wird.