Migrantische Kämpfe. Kämpfe der Migration

Bisher ist die Geschichte der Proteste und Kämpfe der MigrantInnen der ersten Stunden der „Gastarbeitsära“ nur in sehr geringem Umfang aufbereitet worden. Allerdings können die Recherchen von „Migrantische Kämpfe – Kämpfe der Migration“ deutlich machen, in welchem breitem Ausmaß sich bereits die sogenannte erste Generation an den Protest- und Streikbewegungen in den 1960er und 1970er Jahren beteiligte und/oder ihre eigenständigen politischen Projekte, Solidaritätsbewegungen und Forderungen nach gleichen Rechten in Bildung, Arbeit und Staatsbürgerrecht entwickelte. Oft stießen sie mit ihrer politischen Willensäußerung nicht nur auf den Widerstand der Staatsgewalt, sondern hatten auch Konflikte mit politischen Gruppen, Parteien und Gewerkschaften auszutragen. Das Wissen um diese Ereignisse wird aber bis heute nur spärlich weitergegeben.
Die Arbeit „Migrantische Kämpfe – Kämpfe der Migration“ hat aufbauend auf intensiver Archivrecherche in Betriebs-, Stadt- , und selbstorganisierten Bewegungsarchiven sowie Zeitzeugeninterviews eine ganze Bandbreite von selbstorganisierten politischen Projekten innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften, in Verbindung mit der Studierendenbewegung seit 1964 und mit der Betriebsarbeit verschiedenster linker Gruppierungen rekonstruieren können. Dabei läßt sich zeigen, dass neben einer starken exilpolitischen Organisierung die kleineren und größeren Kämpfe von Anfang an einen entscheidenden Bezug auf die Arbeits- und Lebensbedingungen aufwiesen, die MigrantInnen in München und Umgebung vorgefunden haben. So kann aufbauend auf den gesammelten Materialen unter anderem die sogenannte Kindergeldkampagne oder die Kampagne für kommunales Wahlrecht, sowie die Geschichte eines „Wilden Streiks“ von italienischen Arbeitern bei BMW, dem sogenannten „Italienerstreik“, nachgezeichnet werden.