Menschen[ver]handel[t]

Migrationspolitik ist seit Mitte der 1990er Jahre keine alleinig kommunale, regionale und bundespolitische Angelegenheit mehr. Während eine einheitliche Einwanderungspolitik der EU-Mitgliedsstaaten jedoch noch in weiter Ferne steht, haben die EU-Mitgliedsländer ihre Migrationskontrollpolitik weitgehend vergemeinschaftet – mit weitreichenden Folgen für die Migration und Rückwirkungen auf das lokale Setting.
„Menschen[ver]handel[t]“ greift eine der neuesten Entwicklungen der europäischen Migrationspolitik auf und analysiert sie hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den lokalen Kontext: Untersucht werden die Genese und die Positionen des Menschenhandelsdiskurses, insbesondere in seiner Verbindung mit Frauenhandel und Zwangsprostitution. Von Interesse ist dabei, wie ein Diskurs, der zunächst gehandelte Frauen schützen will, so funktionalisiert werden kann, dass er für eine restriktive Einwanderungspolitik, insbesondere für strenge Migrationskontrollen bis in die Herkunftsländer potentieller Migrantinnen argumentativ verwendbar wird – und sich somit letztlich gegen die migrierenden Frauen selbst wendet.
„Menschen[ver]handel[t]“ fragt dabei auch nach der spezifischen Produktivität des Diskurses, Frauen-Gruppen zu aktivieren und irritierende Kooperationen zwischen Polizeien, internationalen Organisationen und lokalen NGOs zu initiieren. Andererseits ist interessant, welche Stimmen und Sprecherpositionen ausgegrenzt und zum Schweigen gebracht werden. Für München läßt sich dabei auch zeigen, wie eine unaufgeregte Thematisierung migrantischer Sexarbeit als ein Migrationsweg von Frauen hauptsächlich durch die Dominanz des Frauenhandelsdiskurses verunmöglicht wird; ganz zu schweigen von den Betroffenen selbst, die als Subjekte in dieser Debatte nie auftauchen.