Themenbereich Kulturproduktionen und -konstruktionen

„Kultur“, das ist seit gut 20 Jahren das klassische Terrain, auf dem die Geschichte und Gegenwart der Migration mit Vorliebe erzählt wird. Das ist dann die Geschichte von bunten traditionellen Kulturen im Plural, die mal mehr, mal weniger goutierbar und ausstellbar sind. Multikultur, Interkultur und kulturelle Diversität sind politische Schlagwörter geworden, die der kulturellen Pluralität einer Einwanderungsgesellschaft Rechnung tragen sollen. Das war noch nicht immer so. Die Kulturalisierung der Migrationsdebatte hat jedoch auch höchst ambivalente Effekte. So gehört eine gewisses migrantisches, multikulturelles Ambiente – im Sinne eines Karnevals der Kulturen – mittlerweile zum Standortfaktor jeder Weltstadt und migrantische Kulturproduktionen sind der Stoff aus dem die Kulturindustrien ihre Stücke weben.  So wird heutzutage das kulturelle Repertoire jugendkultureller Musikszenen wie das des Hiphops vom Stadtmarketing in Szene gesetzt, wenn es darum geht, sich als Global City zu verkaufen. Nach Salsa und afrikanischen Tänzen, gibt nun Bollywood und der Balkan Rythmen, Codes und Stile für großstädtische Ausgehkulturen ab.
 
Andererseits ist „Kultur“ aber auch von Beginn der neueren Arbeitsmigration an ein zentrales Terrain der migrantischen Selbstvergewisserung, der Gemeinschaftsbildung, der Identitäts- und Geschichtsarbeit, der Inszenierung und des Protests. So organisierten die Arbeitsmigranten in den 1960er und 70er Jahren nicht nur politische Zirkel, sondern auch Kulturzentren und Folkloregruppen, in denen sich das Politische und Kulturelle verband.

Zwischen diesen beiden Perspektiven changieren die hier versammelten Arbeiten. Sie spüren Akteuren, Motivationen, Sinngebungen und Inszenierungen nach und trafen, ob im HipHop oder bei der Balkan-Party, auf eine Gemengelage aus migrantischen Stimmen, kommerziellen und städtischen Interessen.

Projekte des Themenbereichs