Favoriten

Jenseits der öffentlichen Bilderproduktionen hat sich auch in Almanya ein unspektakuläres migrantisches Alltagsleben entwickelt. Über die letzten gut 50 Jahre neuerer Einwanderungsgeschichte hat sich die Migration ihre Infrastrukturen, Einrichtungen, Treffpunkte und Aufenthaltsorte in München geschaffen, teils im expliziten Rückzug von der Mehrheitsgesellschaft teils aber auch als Orte für jedermann mit mehr oder weniger migrantischen Ambiente.

Die Arbeit „Favoriten“ entwickelt aus der Perspektive von selbst stadtfremden KünstlerInnen einen migrantischen Stadtplan Münchens. Dabei stellt die Metapher des „Autoputs“, jener bis heute bestehenden Nord-Südost-Verbindung (Pan- European Transport / Corridor X / Branch C) quer durch die zentralen Anwerbeländer der „Gastarbeit“, Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien und der Türkei, den „roten Faden“ für die Begehung und das Kennenlernen des migrantischen Münchens dar. Wie haben sich die Menschen,  die über diese Straße nach München kamen, in das Stadtbild eingeschrieben? Welche Orte der Stadt haben sie sich zu Eigen gemacht? Für jedes Land entlang des „Autoputs“, welcher bis heute als zentrale transnationale Verbindungachse in die Herkunftregionen auch für die nachfolgenden Generationen der „Gastarbeit“ einen fast mythologischen Stellenwert besitzt,  hat die Arbeit Verortungen in Form von Kaffees, Restaurants, kulturellen Einrichtungen, Geschäften, Reisebüros, Kirchen etc. recherchiert, welche von den jeweiligen MigrantInnen betrieben, organisiert und unterhalten oder frequentiert werden