Eiskalte Händchen. Werksvertragsarbeit: Die neuen Gastarbeiter

Auch wenn mit dem sogenannten Anwerbestopp 1973 die Ära der staatlich forcierten Arbeitsmigration zunächst offiziell zu Ende ging, kamen seitdem jährlich tausende migrantische Arbeitskräfte legal ins Land. Dabei hat das nicht-erklärte Einwanderungsland Deutschland bis zum neuen Zuwanderungsgesetz 2004 durch die sog. „Anwerbestoppausnahmeverordnung“ die Arbeitsmigration gesteuert. Einer der Modi, wie seitdem ausländische Arbeitskräfte nachgefragt werden, ist der „Werksvertrag“.  Aus der Sicht der Ausländerbehörden stellt die Werksvertragsarbeit keine „Migration“ dar, da die Arbeiter formell nur über einen bestimmten Zeitraum in Deutschland legal arbeiten dürfen und danach wider zurück ins Entsendeland müssen. Aus der Sicht der Gewerkschaften und des Zolls stellen die Arbeiter eine billige und flexible „Reservearmee“ dar, die die „teure“ „deutsche Arbeitskraft“ unterbieten. Für die Unternehmer und Subunternehmer bedeutet die Werksvertragsarbeit Extraprofite. Für die Werksarbeitnehmer selbst bedeutet es  eine der wenigen Möglichkeiten, legal in Deutschland für harte Euros arbeiten zu können.
Die Arbeit „Werksvertragsarbeit: Die neuen Gastarbeiter“ knüpft an einem konkreten Fall von „Lohnbetrug“ in Bayern an. In dem sich das Projekt sensibel auf die Biografien der Werksvertragsarbeiter einlässt, ist es ihm nicht nur möglich, die subjektive Seite dieser internationalen Arbeitsstrukturen in Erfahrung zu bringen. Vielmehr können die ForscherInnen das weitverzweigte, transnationale Netzwerk aus General- und Subunternehmen und anderen beteiligten Akteuren feldforschend rekonstruieren, die die Werksvertragsarbeiter nach Bayern brachten. Hierbei zeigt sich eine Ambivalenz aus Ermöglichung und Unterstützung als auch von Behinderung und Ausbeutung, die dieser migratorischen Praxis zu Grunde liegt.