BalkanBar. Imageproduktionen zwischen Exotismus, globalen Mainstream und Diaspora

Der Begriff Balkan ruft sofort ein ganzes Set an unterschiedlichsten Assoziation auf, die meist negativ besetzt sind: Politisches Chaos, Zerfall, Kleinstaaterei, Gewalt, Krieg. Seit den 1990er Jahren wird mit dem Hype um Balkanmusik in Deutschland und weltweit ein vordergründig positiveres Bild verbreitet. Die Arbeit zeigt jedoch, wie diese positiven Konnotationen ebenso auf Essentialisierung, romantisierendem Verlangen nach Authentizität, Exotismus und alten Stereotypen beruhen. Dabei basieren diese europäischen Imageproduktion vor allem auf Projektionen, die mit Bildern und Emotionen aus Filmen (Kusturica), Kunst (In Search for Balkania, Blood and Honey, ...) und Musik gefüttert werden. Das Projekt untersucht anhand zweier Phänomene der aktuellen Musikproduktion, „Balkanstyle/GypsyGroove“ (Volksmusik als Quelle für elektronische, "westliche" Musik) und „TurboFolk“ (elektronische, "westliche" Elemente, die in Volksmusik einfließen oder zu ihr werden) zwei hybridisierte, transnationale Phänomene und die damit verbunden Zuschreibungen.
So werden im Balkanstyle/GypsyGroove rassistisch konnotierte Begriffe wie „Zigeuner“ einfach mit der Vorsilbe „Gypsy“ euphemistisch neu besetzt und der „orientalische Charakter des Balkans“ wird dem nüchternen und langweiligen Europa gegenübergestellt: Balkanmusik verspricht Emotionen, Leidenschaft, Anarchie, Gute Laune und exzessives Tanzvergnügen.
Wie der Turbo Folk ist jedoch auch der Balkan Hype in westeuropäischen Städten nicht ohne die Geschichte der Migration und der Diaspora zu verstehen. So verweisen mit einigen Ausnahmen die Produzenten des Labels „Balkanmusik“ auf ihre balkanischen Wurzeln und diese Liebe zur „Balkanmusik“ wurde vor allem in der Diaspora entdeckt.
Anhand des Turbo Folk lassen sich gewisse andere Phänomene in den transnationalen Beziehungen zwischen Produktion und Konsum aufzeigen. So bedient sich z.B. die serbische Turbo Folk Produktion in ästhetischer Hinsicht der Muster, die aus dem globalen Mainstream bekannt sind (Fetischisierung des – vor allem weiblichen – Körpers, Attribute von Reichtum, etc.). Zum anderen rekurriert Turbo Folk aber auch stark auf den lokalen Kontext. Die meisten Konsumenten wiederum leben auch hier außerhalb des Produktionsortes, in den Nachbarstaaten und der weltweiten Migration: „Turbo-folk is the only contribution to globalization from the ex-Yugoslav territories” (Rastko Mocnik).